Kongress stellt Changeability und Zukunftskompetenz in den Mittelpunkt

9. Kongress für Personalentwicklung in der Kirche sucht Wege für eine schrumpfende Organisation
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Prof. Dr. Jutta Rump (Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen)
Prof. Dr. Jutta Rump (Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen) stellte Changeability als zentrale Metakompetenz für Organisationen und Beschäftigte vor

Erfurt/Nürnberg, 29.04.2026. Wie bleibt die Kirche mit weniger Personal handlungsfähig? Welche Fähigkeiten braucht sie in Zeiten tiefgreifender Umbrüche? Und wie gelingt Personalentwicklung unter massivem Veränderungsdruck? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der 9. Kongress für Personalentwicklung in der Kirche, der vom 27. bis 29. April 2026 im Augustinerkloster Erfurt stattfand. Unter dem Titel „Changeability – Personalentwicklung in einer kleiner werdenden Kirche“ trafen sich rund 60 Leitungsverantwortliche, Personalentwickler:innen und Interessierte aus mehreren Landeskirchen. Ziel war es, die aktuellen Herausforderungen zu analysieren und gemeinsam zukunftsfähige Perspektiven zu entwickeln.

„Der Kongress lebt seit Jahren von der Qualität des Austauschs“, sagte Susanne Schatz, Mitglied des Leitungsteams der Wirkstatt evangelisch und Mitveranstalterin. Er biete praxisnahe Impulse und schaffe Raum für gemeinsames Nachdenken – ohne Entscheidungszwang, aber mit viel Expertise aus verschiedenen Landeskirchen. „Gerade unter dem hohen Veränderungsdruck empfinden viele Teilnehmende den Kongress als notwendige Unterbrechung: Zeit für Reflexion, Austausch und neue Perspektiven.“ Auch Oberkirchenrat Stefan Reimers, Evang.-Luth. Kirche Bayern, betonte, dass die Kirche immer durch Krisen, Brüche und Neuanfänge gegangen sei. „Das Kleinerwerden unserer Strukturen ist kein Grund zur Verzweiflung, sondern birgt viel Chance zur Besinnung und zur Konzentration. Ich sehe darin eine Einladung für uns, Schwerpunkte neu zu setzen und das Wesentliche zu stärken.“ Schließlich lebe christlicher Glaube von Aufbruch und Veränderung – getragen von der Zusage Gottes, uns auf diesem Weg zu begleiten, so Reimers. 

Zum Kongressauftakt sprach Dr. Hagen Fried (Nürnberg) über „Schrumpfende Organisationen – Einsichten aus Theorie und Empirie“. Fried, der viele Jahre in der Evangelischen Erwachsenenbildung tätig war, untersuchte in seiner Forschung, wie Schrumpfungsprozesse ablaufen und welche Auswirkungen sie auf Menschen und Organisationen haben. „Schrumpfung ist anstrengend und schmerzhaft, aber keine Katastrophe. Sie kann ein normaler Teil organisationaler Entwicklung sein“, sagte Fried. Entscheidend sei die Haltung, mit der Organisationen solche Prozesse angehen: Ob sie Schrumpfung als Krise, Notwendigkeit oder Chance begreifen, beeinflusse Handlungsfähigkeit, Führung und Motivation maßgeblich. 

Changeability als zentrale Zukunftskompetenz 
In ihrem Impulsvortrag stellte Prof. Dr. Jutta Rump (Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen) Changeability als zentrale Metakompetenz für Organisationen und Beschäftigte vor. Damit sei die Fähigkeit gemeint, sich kontinuierlich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen, ohne die eigene Identität und den eigenen Wertekompass zu verlieren. Sie machte deutlich, dass Veränderung heute kein Ausnahmezustand mehr sei, sondern der Normalfall: Kirchen stünden – ebenso wie Wirtschaft und Gesellschaft – gleichzeitig vor demografischen, wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Umbrüchen. „Die spannende Frage ist, wie sich Arbeitsplätze verändern. Welche Anforderungen an Kompetenzen und Qualifikationen brauchen wir? Und wie gehen wir auch damit um, dass Kirchen kleiner werden?“, fragte Rump. „Kirchen brauchen Changeability, weil wir in einer Zeit des Wandels leben. Die Themen demografische und wirtschaftliche Entwicklung, Digitalisierung und künstliche Intelligenz holen auch Kirchen ein.“ Entscheidend sei daher nicht, einzelne Veränderungen zu bewältigen, sondern dauerhaft veränderungsfähig zu bleiben – als Organisation wie auch als einzelne Mitarbeitende. 

Leitungsperspektiven aus den Landeskirchen 
Wie Personalentwicklung in der Praxis gelingt, diskutierten leitende Kirchenvertreterinnen verschiedener Landeskirchen. Oberkirchenrätin Bettina Wilhelm (Evangelische Kirche der Pfalz), Superintendentin Stefanie von Lingen (Evang.-Luth. Landeskirche Hannover) und Oberkirchenrätin Antje Pech (Evang.-Luth. Kirche Sachsens) schilderten ihre Erfahrungen und Strategien. Dabei wurde deutlich, dass viele Kirchen vor ähnlichen Herausforderungen stehen, aber unterschiedliche Wege zwischen Konsolidierung, Neuausrichtung und struktureller Anpassung wählen. Transparente Kommunikation, klare Qualitätsmaßstäbe bei Stellenbesetzungen, kontinuierliche Qualifizierung von Führungskräften sowie die Förderung von Team- und Kooperationsfähigkeit gelten jedoch landeskirchenübergreifend als Schlüssel für zukunftsfähige Personalentwicklung. 

Neben den Keynotes und dem Rundgespräch vertieften die Teilnehmenden zentrale Fragen der Personalentwicklung in einem Open-Space-Format. Diskutiert wurden Themen wie die Zukunft landeskirchlicher Strukturen, Erfolgsfaktoren kollegialer Veränderung, der Umgang mit Unsicherheit und Angst vor Wandel sowie die Folgen unterlassener Entscheidungen. Weitere Schwerpunkte waren die Anforderungen an künftige Führungskräfte und die Weiterentwicklung kirchlicher Berufsprofile – etwa durch die Öffnung von Pfarrstellen für andere Berufsgruppen.  

Dr. Steffen Bauer schloss den Kongress mit einer Gesamtschau ab. Er bündelte die vielfältigen Perspektiven der Tagung und rückte die zentrale Botschaft – Changeability – klar in den Mittelpunkt: „Die inhaltlichen Impulse zeigen die tiefgreifenden Veränderungen in Gesellschaft und Kirche deutlich auf. Gleichzeitig ist spürbar geworden, dass viele Teilnehmende bereits aktiv an ihrer Personal- und Organisationsentwicklung arbeiten, um sich auf den Wandel einzustellen.“ Der intensive Austausch habe einen gemeinsamen und wichtigen Raum für Lernen und Vordenken geschaffen.  

Service & Hintergrund 
Der Kongress wird von der Wirkstatt evangelisch in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (ELKB), der Akademie für Kirche und Diakonie (akd) Berlin sowie dem Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision (IPOS) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) veranstaltet. Neben Keynotes und Plenumsgesprächen bieten Workshops, Kleingruppen und ein Open-Space-Format Raum, um aktuelle Entwicklungen zu diskutieren, gute Praxisbeispiele kennenzulernen und neue Perspektiven zu entwickeln. 

Impulse aus der Keynote von Dr. Hagen Fried sind auch über das von der Wirkstatt evangelisch herausgegebene Kartenset „Weniger ist gut – Lernen aus Schrumpfungsprozessen in Organisationen“ zugänglich. Das Material richtet sich an Leitungsverantwortliche und Teams in Veränderungsprozessen und ist im Shop erhältlich.

Bildergalerie

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