Sozialräume entdecken, Kirche gestalten

Sozialräume verstehen, Kirche gestalten: 16 Vikar:innen aus Bayern und Sachsen haben in Leipzig erkundet, wie Kirche Teil des Lebens vor Ort sein kann. Bei Exkursionen, Gesprächen und Workshops ging es um die große Frage nach dem Auftrag von Kirche, um Netzwerke im Sozialraum und um die Zukunft kirchlicher Arbeit in Zeiten des Wandels. Gemeinsam mit der Wirkstatt evangelisch lernten sie, Menschen, Orte und Lebenswelten als Ausgangspunkt für ihr künftiges Handeln als Pfarrer:innen wahrzunehmen.
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Vikar:innen bei der Erkundung von Sozialräumen in Leipzig
Vikar:innen bei der Erkundung von Sozialräumen in Leipzig

Wie kann Kirche heute Menschen erreichen, begleiten und Hoffnung stiften? Mit dieser Frage beschäftigten sich 16 Vikar:innen aus Bayern und Sachsen während einer dreitägigen Sozialraumerkundung in Leipzig. Der Kurs fand bereits in der zweiten Woche ihres Vikariats statt und gehört zum Modul „Gemeinde leiten und Kirche vernetzt gestalten“, das die Wirkstatt evangelisch gemeinsam mit dem Evangelischen Studienseminar für die Pfarrerausbildung (ESP) gestaltet. Die Wirkstatt evangelisch bringt dabei ihre Expertise aus Kirchenentwicklung, Beratung und Leitungstraining ein.

Unter der Leitung von Michael Maier, Referent der Wirkstatt evangelisch, stand die Frage im Mittelpunkt, wie Kirche ihren Sozialraum wahrnehmen, verstehen und aktiv mitgestalten kann. Denn Gemeinden sind niemals losgelöst von ihrem Umfeld. Sie werden von den Menschen, Netzwerken und Herausforderungen vor Ort geprägt und tragen zugleich Verantwortung für das gesellschaftliche Leben in ihrem Umfeld. 

Ein besonderer Höhepunkt des Kurses war die praktische Erkundung verschiedener Leipziger Sozialräume. In drei Gruppen machten sich die angehenden Pfarrer:innen auf den Weg: in eine typische Plattenbausiedlung, rund um die Nikolaikirche im Stadtzentrum sowie in eine Projektgemeinde im Stadtteil Lindenau. Vor Ort kamen sie mit Pfarrer:innen ins Gespräch und erfuhren aus erster Hand, welche Rolle Kirche für die Menschen in den jeweiligen Stadtteilen spielt und wie kirchliche Arbeit unter sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen gestaltet werden kann. 

Neben den Exkursionen beschäftigten sich die Teilnehmenden mit grundlegenden Fragen kirchlicher Arbeit. Es ging um das „Why“ von Kirche, um die Bedeutung von Netzwerken mit anderen Akteur:innen im Sozialraum sowie um die eigene Rolle als Vikar:in in Zeiten kirchlicher Veränderung. Auf großen Karten analysierten die Teilnehmenden ihre künftigen Einsatzorte in Bayern und Sachsen und entwickelten erste Perspektiven für die Arbeit in ihren Gemeinden. 

Sofie Lachmann, Vikarin in Nürnberg, beschreibt die intensive Auseinandersetzung mit den Grundlagen kirchlicher Arbeit so: „In den Workshops ging es um die ganz große Frage, warum wir Kirche denken, wie wir es tun. Was ist uns wichtig und was ist unsere Motivation, die uns in den vielen Veränderungen weiterträgt und Richtung gibt?“ Auch Alexander Heindel, Vikar in Altdorf, zieht ein positives Fazit: „Die Sozialraumanalyse in Leipzig war sehr spannend und lehrreich. Bei der Verzahnung von Theorie und Praxis haben wir viel über die möglichen Zusammensetzungen sozialer Räume in unseren Gemeinden und Regionen gelernt. Neben vielen verschiedenen Netzwerken, etwa zu Vereinen, Unternehmen oder Politik, spielt auch die Geschichte eines Stadtteils eine wichtige Rolle für die Analyse. Mein Highlight waren die Gespräche mit den Pfarrpersonen vor Ort. In Philippus und der Westkreuz habe ich erlebt, wie wertvoll und pulsierend kirchliche Arbeit in einem Stadtteil zwischen Resignation und Fortschritt sein kann. Kirche ist da und macht den Menschen Hoffnung in ihrem Leben – sogar auf das Unendliche.“ 

Miriam Groß, Leiterin des Evangelischen Studienseminars für die Pfarrerausbildung, war ebenfalls zwei Tage in Leipzig dabei. Sie betont die Bedeutung der Sozialraumerkundung für die Ausbildung: „Die Sozialraumerkundung ist im Vikariat essenziell. Kirche kann nur dann ihrem Auftrag des Evangeliums gemäß handeln, wenn sie die Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort kennt. Wer Kirche mitgestalten und leiten will, muss lernen, zuerst hinzusehen und hinzuhören und daraus verantwortliches Handeln zu entwickeln.“ Für Thomas Allstadt aus Nürnberg lag die besondere Stärke des Kurses in der Verbindung von Kirchenentwicklung und konkreter Gemeindepraxis: „Ich fand es sehr spannend, in Leipzig über geplante Formen von Gemeindeveränderung und die Möglichkeiten regionaler Kooperation zu lernen. Besonders interessant war dabei, gleichzeitig etwas über den Sozialraum, kontextspezifische Anforderungen und kontextsensible Angebotsplanung zu erfahren und von Anfang an zu versuchen, großflächige regionale Zusammenarbeit und lokalspezifische Angebotswelten zusammenzudenken.“ 

Für Michael Maier zeigt der Kurs, wie wichtig ein früher Blick über die eigenen Gemeindegrenzen hinaus ist. „Die angehenden Kolleg:innen bringen viel Motivation, Offenheit und Kompetenz mit. Leipzig ist ein hervorragender Lernort mit anregenden Beispielen für Kirchenentwicklung in postparochialen Zeiten. Wer Kirche heute gestalten will, muss Menschen, Lebenswelten und Netzwerke verstehen lernen. Genau darum geht es in diesen drei Tagen.“ Der Kurs findet zweimal jährlich zu Beginn des Vikariats statt. Er macht deutlich: Kirche entsteht nicht losgelöst von ihrem Umfeld, sondern mitten im Sozialraum. Dort, wo Menschen leben, arbeiten, hoffen und fragen, ist auch Kirche gefragt, zuhörend, vernetzend und gestaltend präsent zu sein.

(Text erstellt mit Microsoft 365 Copilot)