Zukunftswerkstatt „Steinreiche Kirche“

Knapp 100 Teilnehmer:innen kamen vom 15.-16. April zur Zukunftswerkstatt „Steinreiche Kirche“ in Tutzing zusammen, um über die Zukunft kirchlicher Immobilien zu beraten.
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OKR Florian Baier erläutert am Podium den Standpunkt der ELKB
OKR Florian Baier über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der ELKB

Mit dabei war auch Oberkirchenrat Florian Baier, der strategische Perspektiven aus Sicht der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern einbrachte. Baier zeichnete dabei ein klares Zukunftsbild: Bis 2035 wird ein deutlicher Rückgang erwartet – sowohl bei den Mitgliedern (minus rund 40 Prozent) als auch bei finanziellen Ressourcen und hauptamtlichem Personal. Gleichzeitig steht die Kirche vor der Herausforderung, einen großen Gebäudebestand zu verantworten: Rund 6.000 Gebäude befinden sich im Eigentum von etwa 1.500 Kirchengemeinden, viele davon denkmalgeschützt. Schon heute binden Instandhaltung und Sanierung erhebliche Mittel und schränken die Handlungsfähigkeit vor Ort ein.  

Vor diesem Hintergrund betonte Baier die Notwendigkeit eines umfassenden strategischen Ansatzes. Ziel müsse es sein, den kirchensteuerfinanzierten Gebäudeunterhalt deutlich zu reduzieren – auch durch die Aufgabe von Gebäuden. Gleichzeitig sollen attraktive, energieeffiziente Räume erhalten bleiben, um kirchliches Leben weiterhin in der Fläche zu ermöglichen. Weitere zentrale Bausteine sind alternative Finanzierungsmodelle, der Erhalt von Kulturdenkmälern sowie eine stärkere Unterstützung der Gemeinden bei immobilienbezogenen Fragen.  

Auch Themen wie Klimaschutz – mit dem Ziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen um 90 Prozent bis 2035 – sowie verstärkte Kooperationen zwischen Gemeinden und auf Dekanatsebene spielen dabei eine wichtige Rolle.  

In verschiedenen Workshops der Zukunftswerkstatt wurden diese Herausforderungen konkret weitergedacht. Themen waren unter anderem die Gebäudebedarfsplanung sowie Aufsichtsfragen – insbesondere, welche weiteren Kriterien bei zukünftigen Festsetzungen berücksichtigt werden sollten. Unter dem Leitmotiv „Vom Gotteshaus zum Möglichkeitsraum“ wurden zudem neue Nutzungsoptionen für Kirchengebäude diskutiert. Auch Klimaschutz, Fördermittel und die Idee von Kirche als Co-Working-Ort standen im Fokus. 

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wir künftig Kirche gestalten möchten und welche Räume dafür notwendig sind. 

Ein Barcamp am Ende der 24 Stunden bot Raum für vertiefende Fragestellungen und Austausch. Dabei beschäftigten sich die Teilnehmenden unter anderem mit folgenden Themen: 

  • Wie kann eine Übersicht von Good-Practice-Beispielen entstehen – und wo könnte eine entsprechende Plattform angesiedelt sein?  
  • Welche Rituale helfen beim bewussten Abschied von Gebäuden?  
  • Was kann aus bestehenden Gebäuden werden – und wie sehen Prozess und Zielbilder aus?  

Darüber hinaus wurden konkrete Unterstützungsangebote gesammelt und weiterentwickelt: 

  • Ein Kartenset der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland ist bald über den Shop der Wirkstatt erhältlich.  
  • Ein künftiges One Pager soll einen Überblick über unterschiedliche Beratungsangebote geben, etwa durch Equadra oder Wirkstatt evangelisch.  
  • Eine Checkliste für Entscheidungsprozesse wurde skizziert, mit Aspekten wie Sozialraumanalyse, Zielbildentwicklung, Fördermöglichkeiten und Regionalentwicklung.  Diese soll weiterentwickelt werden.