Ruhestand? Nachberufliche Lebenszeit! Abschied von Martina Jakubek
Als Martina Jakubek vor 33 Jahren als Sozialpädagogin ihren Dienst antrat, lautete die erste Frage des damaligen Geschäftsführers: elektrische Schreibmaschine oder PC? Sie entschied sich – nach ihren eigenen Worten geprägt von einem gescheiterten Ringen mit DOS-Befehlen im Studium – für die Schreibmaschine mit drei Typenrädern. Sechs Wochen später wanderte das Gerät in die Buchhaltung, und alle bekamen einen PC. Es ist eine dieser Geschichten, die zeigen, über welche Zeitspanne hinweg Martina unsere Arbeit begleitet, geprägt und immer wieder neu erfunden hat.
Beim Abschied waren Weggefährtinnen und Weggefährten aus ganz Bayern und darüber hinaus dabei. Ihr eigener Rückblick am Nachmittag reichte vom Einzug in das neue Gebäude in der Sperberstraße - "endlich alle unter einem Dach" bis zu den Themen, die heute selbstverständlich klingen und es damals nicht waren.
Für ein anderes Bild vom Alter
„Damals kam das Wort ‚Alt' einer Beleidigung gleich", erinnerte sich Martina. Genau da hat sie angesetzt – konsequent, oft mit Witz, manchmal mit Provokation. Gemeinsam mit ihrem katholischen Kollegen und Mentor Michael Schmidpeter stellte sie schon mal einen Alteisen-Container in die Nürnberger Innenstadt: „50+? Du gehörst nicht zum alten Eisen." Ihr erster Ausbildungskurs für die Altenarbeit trug den Titel „Wir basteln keine Schmetterlinge".
An dieser Haltung hat sie über Jahrzehnte festgehalten – von der „age-friendly church" bis zu den heutigen Themen Einsamkeit und Gemeinschaft, Spiritualität und Ageismus. Am Nachmittag fragte sie das Plenum, was die Anwesenden mit dem Begriff „jung" verbinden. Die launigste Antwort aus dem Saal – „mich" – sorgte für herzliches Gelächter und traf zugleich genau ihren Punkt: Alt und Jung sind keine Qualitätsbezeichnungen.
Netzwerkerin und Wegbereiterin
Martinas Wirken ist so etwas wie verinnerlichte Netzwerktheorie in Person. Vernetztes Arbeiten in Bayern und weit darüber hinaus zieht sich durch ihre gesamte Laufbahn. Sie hat die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Altenheimseelsorge mitinitiiert – die es bis heute gibt – und den kirchen- und gemeindeentwicklerischen Wert des Sozialraum-Begriffs früh für sich entdeckt.
Aus dieser Haltung sind Werkzeuge entstanden, die heute weit über unser Haus hinaus im Einsatz sind: die „Fragetasche", die inzwischen in praktisch jedem Dekanat in Bayern steht, oder die Box „8x3 zeigt Vielfalt" – beide hat Martina mitentwickelt. Über die Jahre kamen 21 Landeskonferenzen dazu, bei denen sie Ehren- und Hauptamtliche gemeinsam an einen Tisch holte – heute selbstverständlich, damals echtes Neuland. Und mit dem Projekt „ganz jung. ganz alt. ganz ohr." brachte sie die Themen Alter und Pflege in Presse und Öffentlichkeit.
Dass Sandra Schumann von der Diakonie beim Abschied dabei war, ist mehr als ein freundliches Zeichen: Es steht für eine ausgezeichnete Kooperation im Bereich der Generationenarbeit, die ganz maßgeblich durch und mit Martina initiiert, getragen und ausgebaut wurde. „Das wurde dann eine der schönsten Entwicklungen", sagte sie selbst über den gemeinsamen Weg mit der Diakonie.
Ein kleiner Fun Fact am Rande, den Martina mit einem Augenzwinkern erzählt: Vier Amtsleiter hat sie in diesen 33 Jahren (über-)lebt.
Was bleiben soll
Auf die Frage, was von ihren Themen bleiben soll, gab Martina uns vor allem zwei Dinge mit. Zum einen: „Achtet auf die Verwendung der Begriffe Alt und Jung." Negative Altersbilder, so ihr eindringlicher Hinweis, verkürzen das Leben statistisch um sieben Jahre – während das Alter das Leben „vollendet" und vollständig macht. Passend dazu weist sie auf die Kampagne „Du zählst! Nicht dein Alter" hin, die am 1. Oktober startet, dem internationalen Tag der älteren Generationen.
Zum anderen: „Menschen wollen gesehen werden, Orientierung haben und wirksam sein." Wenn diese drei Grundbedürfnisse gedeckt sind, gelingt vieles – im Gottesdienst genauso wie in der Teamsitzung oder beim Gestalten eines Flyers.
Und schließlich ihr ganz persönlicher Appell, für den sie zur wahren Influencerin geworden ist: „Verabschiedet Euch von der Idee, das Leben sei 45 Jahre Arbeit und dann 30 Jahre Ruhe." Dem Wort „Ruhestand" setzt sie konsequent die Rede von der nachberuflichen Lebenszeit entgegen. In den Ruhestand, sagt sie, könne man sie deshalb gar nicht schicken – wohl aber in die nachberufliche Lebenszeit. „Mal sehen, was Gott dafür bereithält."
Danke, liebe Martina
33 Jahre Haltung, Humor und Hartnäckigkeit für die Menschen und für ein achtsameres Bild vom Alter – dafür danken wir dir von Herzen. Du hinterlässt Spuren: in den Werkzeugen, die weiterwirken, in den Netzwerken, die du geknüpft hast, und in einer Haltung, die uns bleibt.
Deine eigenen Abschiedsworte geben wir dir gern zurück: Bleib widerständig, bleib integrierend, bleib altersfreundlich – zu dir selbst und zu allen anderen Menschen.
Gottes reichen Segen für alles, was jetzt kommt. Und tschüss – bis bald.















