Künstliche Intelligenz fordert Jugendarbeit und Kirche heraus

Hauptberufliche fordern zum Abschluss der Landeskonferenz die Stärkung von
Medienkompetenz statt eines Social-Media-Verbots für Jugendliche.
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Veröffentlicht am Donnerstag, 26. Februar 2026

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Patrick Wolf

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Pappenheim/Nürnberg, 26.02.2026. Künstliche Intelligenz verändert Alltag, Bildung und Kommunikation junger Menschen rasant. Die Landeskonferenz der Hauptberuflichen in der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) stellt mit dem Thema #BlessedByAI? in den Mittelpunkt, wie Jugendarbeit und Kirche verantwortungsvoll mit KI umgehen können. Rund 200 Fachkräfte und Verantwortliche aus ganz Bayern reflektieren Chancen, Risiken und ethische Fragestellungen, erproben praxisnahe Anwendungen und beleuchten die Auswirkungen auf religiöse Bildung und demokratische Beteiligung. In der aktuellen Diskussion um ein mögliches Social-Media-Verbot für Jugendliche bis 14 Jahre fordert die Versammlung, die Medienkompetenz zu stärken statt Social Media zu verbieten.

„Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema mehr – sie ist in der Lebenswirklichkeit junger Menschen längst angekommen“, sagt Malte Scholz, Vorsitzender der Evangelischen Jugend in Bayern. Deshalb brauche es Bildung: schulisch wie außerschulisch, mit echten Räumen zum Ausprobieren und Zeit, KI-Kompetenz wirklich zu entwickeln. Doch Scholz macht auch klar, wo die Grenzen der Technologie liegen: „Was KI nicht kann, ist Menschennähe. Singen, zusammen etwas erleben, füreinander da sein – das passiert nur in der Jugendarbeit. Echte Erlebnisse lassen sich nicht digitalisieren.“ Künstliche Intelligenz mache Jugendarbeit also nicht überflüssig – im Gegenteil: Sie zeige, was nur im unmittelbaren Miteinander möglich ist.

Zur Eröffnung der Konferenz ordnete Prof. Dr. Ilona Nord (Universität Würzburg) das Thema künstliche Intelligenz grundlegend ein. Sie machte deutlich, dass technisches Verständnis die Voraussetzung für verantwortliches Handeln sei, denn KI berühre nicht nur technische, medizinische und juristische Fragen, sondern auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der wirtschaftlichen Machtverteilung und der religiösen Bildung. Die Dringlichkeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, unterstreicht auch die JIM-Studie 2025: 91 Prozent der Jugendlichen nutzen bereits KI-Anwendungen (2024: 62 %), mehr als die Hälfte hält KI-Informationen für vertrauenswürdig und 90 Prozent fordern verpflichtenden Unterricht im Umgang mit digitalen Medien.

Außerdem warnte Prof. Nord zudem vor Plattformlogiken, die öffentliche Debatten verzerren: „Demokratie braucht Mitbestimmung – und Gesellschaften brauchen Resilienz, gerade angesichts des spürbaren Anstiegs von Antisemitismus und Rassismus.“ Für den kirchlichen Kontext betonte sie: KI könne Impulse für Glaubensgespräche geben und Bildungsprozesse unterstützen – religiöse Kommunikation ersetzen dürfe sie jedoch nicht: „KI verändert unsere Kommunikationskultur
grundlegend, es geht nicht allein um Ersetzungslogiken.“

Einen praxisnahen Schwerpunkt setzte Daniel Seiler, Gründer des Jugendleiter-Blogs. In seinem Impulsvortrag betonte er, dass Jugendarbeit die KI-Entwicklung nicht ignorieren könne und reine Medienkompetenz-Vermittlung nicht mehr reiche. „Die entscheidende Frage ist nicht, was KI kann, sondern was Menschen brauchen“, betonte Seiler. „Erst dann lässt sich prüfen, ob und wie KI sinnvoll unterstützen kann.“ Gefragt sei echte KI-Kompetenz: Kenntnisse über Werkzeuge, Daten und Algorithmen. In kirchlichen Kontexten nutzen Fachkräfte KI bislang vor allem als Werkzeug für Organisation, Medienarbeit und Unterrichtsmaterialien. Bei seelsorgerlichen und theologischen Kernaufgaben überwiege Zurückhaltung – es fehlten oft digitale Kompetenzen, klare Mandate und sichere Räume für Erprobung.

Zum Abschluss der Konferenz verabschiedeten die Hauptberuflichen einen Beschluss zur aktuellen Debatte eines Social-Media-Verbots für Jugendliche. Der Jugendverband spricht sich gegen pauschale Verbote und starre Altersgrenzen aus, die an der Lebensrealität junger Menschen vorbeigehen. Stattdessen fordert die EJB verbindliche Medienbildung in allen Schulformen und Jahrgangsstufen, landesweit klare und praktikable Regeln für die Nutzung digitaler Medien an Schulen sowie den Ausbau außerschulischer Angebote zur politischen Medienbildung und digitalen Resilienz. Lehrkräfte und Fachkräfte der Jugendarbeit sollen systematisch im Umgang mit Social Media, KI Anwendungen und Desinformation qualifiziert werden. Zugleich braucht es verlässliche finanzielle Strukturen und klare politische Vorgaben für Digitalkonzerne, um Kinder und Jugendliche wirksam vor Fake News, Hassrede, Gewalt und Suchtmechanismen zu schützen. Ein Verbot wirkt entschlossen, löst jedoch keine strukturellen Probleme. Medienkompetenz ist Voraussetzung für demokratische Teilhabe und damit eine zentrale politische Aufgabe.